Advanced-Planning-Software

Ausgehend von der verbreiteten Kritik am klassischen MRP-Konzept (bzw. MRP II-Konzept) versuchen Advanced-Planning-Systeme, dieses zu ergänzen und seine Schwächen durch modellgestützte Planung zu beseitigen.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden derartige Systeme zunächst von innovativen Softwarehäusern (z.B. Numetrix, I2) entwickelt und in der Praxis eingesetzt. Der Erfolg dieser Systeme führte dazu, daß auch die SAP AG (bzw. SAP SE) mit der Entwicklung eines APS-Systems begann, das unter der Bezeichnung APO (Advanced Planner and Optimizer) vermarktet wurde. Dieses System enthält verschiedene Module, mit denen Planungsaufgaben wie z.B. die Produktionsprogrammplanung oder die Ablaufplanung mit Optimierungsmethoden unterstützt werden.

SAP Integrated Business Planning

Der Advanced Planner and Optimizer wird bis 2025 durch ein neues System, genannt SAP Integrated Business Planning (SAP IBP), zunächst ergänzt, dann wohl aber abgelöst. Dieses System bietet dem Anwender u.a. eine andere, Excel-basierte Benutzeroberfläche und ein modernes, an die von Windows 10 bekannte Kacheloberfläche erinnerndes Einstiegsmodul (den sog. Supply Chain Control Tower). Gegenüber den im APO enthaltenen Modulen enthält das IBP-System einige Änderungen. So ist das als Demand Planning bezeichnete Prognosemodul um komplexe Prognoseverfahren (ARIMA-Modelle) und neue Verfahren aus dem Bereich der Mustererkennung (machine learning, data mining) erweitert worden. Es wird hervorgehoben, daß das sogenannte Demand Sensing (erst) jetzt tagesbezogene Prognosen ermöglicht.

Als zusätzliches Modul ist das sog. SAP IBP Inventory hinzugekommen (durch die Übernahme von SmartOps), das in der Lage sein soll, mehrstufige Sicherheitsbestandsplanung zu unterstützen. Angesichts der Komplexität der vielfältigen Schwierigkeiten und Probleme der mehrstufigen Sicherheitsbestandsplanung (siehe hierzu Tempelmeier, H., Bestandsmanagement in Supply Chains, 5. Auflage, Norderstedt (Books on Demand) 2015 sowie Beispiel zur mehrstufigen Sicherheitsbestandsplanung) ist nicht klar, ob dieses Modul über eine einfache dispositionsstufenbezogene MRP-Nachfrageexplosionslogik mit produktbezogener Addition von willkürlich festgelegten Sicherheitsbeständen hinausgeht.

Das aus dem APO bekannte Modul PP/DS zur detaillierten Ablaufplanung ist nicht Bestandteil des SAP IBP, sondern in das Systems S/4HANA (den Nachfolger von R/3) verlagert worden.

Es scheint so zu sein, daß im SAP IBP die modellgestützte Planung gegenüber der anschaulichen Darstellung der Planungsdaten in den Hintergrund tritt, das aber wenigstens in der Cloud.